Und tschüss, Corana-Virus, Du Covid, der 19.

7.07.2020

Es ist Sommer in Deutschland, manchen wieder mal zu heiß. Ich mag die Sonne, auch Deinetwegen! 

Ich habe gelesen, Dich soll Wärme mit 90 % iger Wahrscheinlichkeit vernichten oder verhindern. Da ich nicht weiß, wo Du wohnst, woher Du wirklich genau kommst, möchte ich mich mit diesem Brief im Einblick von Dir verabschieden. 

Einen Einblick in Deine Gattung hast Du mir gewährt, auch wenn Du mein Land eher als ungebetener Gast besucht hast. Ich weiß nicht, ob hinter Dir ein göttlicher Plan steckt oder eine biologische, vom Menschen mitverursachte Spezies „Virus“. Angst hatte und habe ich vor Dir nicht, aber meinen Respekt hast Du Dir wirklich eindrucksvoll erarbeitet. Mittlerweile trage ich sogar außerhalb meines Wohnraumes eine Maske und halte gebührend Abstand von Menschen, welchen ich jahrzehntelang mit Handschlag, Umarmung oder einem Kuss zur Begrüßung begegnet bin. 

Zum Glück sind meine Einschränkungen durch die Begegnung mit Dir bis dato wirklich harmlos. Ich kenne auch lediglich eine Person, welche Du mit Deiner anfänglich als „grippalem Infekt“ verschleierten Methode derart infiziert hast, dass er im Krankenhaus Tag und Nacht beatmet werden musste. Permanent selbst zu regelnde Sauerstoffzufuhr hat ihm wohl das Leben gerettet und Dich aus seinem Körper verdrängt. Obwohl mein Kunde nicht auf einer Intensivstation lag, sagte er mir, er wünsche diese mehrwöchige Leidenszeit (inklusive Reha) selbst seinem ärgsten Feind nicht! Er würde alles tun, um seine Antikörper den Wissenschaftlern zur Verfügung zu stellen, damit selbige einen Impfstoff erfinden, um Dich, Covid, dauerhaft zu verhindern. Ich fände einen Impfstoff gegen Dich auch eine tolle Sache, weil ich die Bilder aus Italien und Spanien mit tausenden Toten nicht vergessen habe. 

Warum Du das tust, werde ich wohl nicht ergründen. Ich möchte aufgrund der Ansteckungsgefahr darauf verzichten, dass Du mir diesen Brief beantwortest oder mich auf irgendeine andere Weise kontaktierst. 

Meinen Respekt hast Du weiterhin. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass ein grippeähnlicher Virus im Frühjahr 2020 Deutschland und Europa mittels Shutdown derart lahmlegt. Deine Vorfahren kommen ja wohl aus dem asiatischen Bereich, mittlerweile habt Ihr Euch als Familie in der Welt ziemlich „breit gemacht.“ Dass Millionen Menschen auf der Welt Deinetwegen ums wirtschaftliche und gesundheitliche Überleben kämpfen, ist kein besonders netter Wesenszug von Dir! 

Vielleicht machst Du den Virologen Spaß oder motivierst sie wegen herausfordernder beruflicher Fragestellungen. „Die Drostens“ unserer Republik hatten durch Dich eine einmalige Gelegenheit, aus verschlossenen und gesicherten Laboren in Kellergeschossen diverser Einrichtungen ins Rampenlicht zu rücken. Es sei den Wissenschaftlern gegönnt, sie kennen Dich und Deine Familie ja besser. Manch einem hast Du,Covid 19, aber auch mehr geschadet als genützt. Möglicherweise hast Du die Bedeutung der Virologen und unsere Gesellschaft dauerhaft verändert und auch unsere „Allmachtspolitiker“, eigentlich uns alle, in unsere gesundheitlichen Schranken verwiesen. 

Deshalb möchte ich diesbezüglich auch nicht versäumen, Dir zu danken. Ich danke Dir für die „Bewusstseinserinnerung“, dass die menschliche Gesundheit über allem steht, und sogar Vorrang hat gegenüber wirtschaftlichen Interessen. Ich danke Dir für den digitalen Fortschritt. Du hast aus „digitalem Fortschrittsgequatsche“ meines Arbeitgebers ein Homeoffice mit Laptop und verschlüsselter Internetverbindung geschaffen, das hätte ich, ach was, keiner ohne Dich wirklich so flächendeckend umgesetzt bekommen. 

Ohne Dich, Covid, hätte ich auch nicht an Gottesdiensten per Internet teilgenommen. Den Technikern unserer Gemeinde hast Du analog zu den Virologen auch mehr Bedeutung verschafft. Mir ist durch Dich noch bewusster geworden, dass ein guter Ton viel Wert und nicht selbstverständlich ist. Ich danke Dir für die Zeit der Ruhe und Besinnung. Für meinen Geschmack hätte der Shutdown nicht so lange und flächendeckend sein müssen. Zugegeben, vielleicht hätte ich über vieles ohne Dich nicht nachgedacht. Durch den Verzicht an vielen Routinen in meinem Leben, wurde mir verstärkt klar, dass ich manche Routinen nicht brauche. Ich danke Dir auch für die „freie Fahrt“ nach Frankfurt. Ich bin jetzt viel stauärmer zur Arbeit unterwegs und spare nicht nur im Homeoffice mehr als eine Stunde Zeit pro Tag! Was wird an den Veränderungen, welche Du bewirkt hast, wohl dauerhaft bleiben? Wird sich die Lust der deutschen am Urlaub via Flugzeug verändern? Ich freue mich, dass ich meinen im April geplanten Föhr-Urlaub aufgrund Deines Wirkens jetzt wohl Ende Juli genießen kann. Deshalb bitte ich Dich auch um einen Gefallen: Komme nicht wieder, verzichte auf Deine zweite Welle, sofern Du sie geplant hast! Betrachten wir unsere indirekte Begegnung doch einfach wie einen Zeitabschnitt mit einem Austauschschüler aus einem fernen Land. Es war herausfordernd, Dich kennengelernt zu haben. Ich habe Deine Sprache nicht verstanden. Dein Aussehen und Wirken kann ich nicht wirklich jemandem erklären. Dass ich Dich in mir gehabt haben könnte, ohne es zu merken, ist auch eine merkwürdige Möglichkeit Deiner Lebensvarianten. Ich hoffe, ich habe keinen Menschen mit Deinen Viren angesteckt. Im Geschäftsleben enden durch Dich viele Gespräche mit „…und bleiben Sie gesund!“ Sei mir bitte nicht böse, aber das kann ich Dir nach dem gemeinsam Erlebten nun wirklich nicht wünschen. Deshalb beende ich diesen Brief auf ungewöhnliche Art und Weise, welche zu Dir passen könnte: Ruhe ewig in Frieden und bleibe mir und den Lebewesen dieses Planeten einfach fern. Grüße aus meinem Homeoffice im kleinen Lützellinden! 

Jörg